• Holger Malz

Vermögensaufbau: Gefangen zwischen Unwissenheit und dem "magischen Dreieck"



Vor wenigen Tagen habe ich einen Bericht gelesen, den das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) herausgegeben hat. Darin ging es um einen Index zur Geldanlage der Deutschen, den das Institut aufgelegt hat. Der Index soll aufzeigen, welche Einstellung die Deutschen zur Geldanlage und im Speziellen zum Aktienmarkt haben.


Ebenso wie das Corona-Virus und speziell der Umgang damit die Menschen in ihren Meinungen spaltet, existieren auch zum Thema Geldanlage in Aktien grundsätzlich zwei Ansichten. Entweder man legt sein Geld, zumindest in gewissen Teilen, in Aktien, Fonds oder ETFs (Exchange Traded Funds) an oder man meidet diese Anlageklasse bewusst.

Die Gründe der zweiten Gruppe, der Aktienverweigerer, durchleuchten wir später noch etwas genauer.


Zu der ersten Gruppe der Anleger, die, die in Aktien investiert sind, gehören wohl gut 50% der insgesamt 1,5 Mio. befragten Kunden der Index-Studie, denn sie sehen im aktuellen pandemischen Umfeld anscheinend keinen Grund zur Besorgnis. Im Gegenteil, die Mehrheit erkennt aktuell sogar anscheinend eher zunehmende Investionschancen denn Signale zum Ausstieg.

Nur knapp 20% planen aufgrund der aktuell vorherrschenden Situation, zumindest vorübergehend, den Stecker zu ziehen und ihre Aktien zu verkaufen beziehungsweise ihren Einsatz zu reduzieren.


Im Allgemeinen zeichnet der Index also ein positives Stimmungsbild der deutschen Anleger. Dies scheint, zumindest bis zum heutigen Tag, mit der Entwicklung des Deutschen Aktienindex (DAX) im Einklang zu stehen.


Doch auch im Überschwang sich von der Realwirtschaft abkoppelnder Aktienmärkte, einen Aspekt scheinen die Deutschen trotz anhaltender Mitnahmementalität nicht abschütteln zu können: den Drang nach Sicherheit. Und damit finden sie sich wohl im magischen Dreieck der Vermögensanlage wieder oder wie man landläufig dazu sagen würde "zwischen Baum und Borke".


"Aller gute Dinge sind drei!"

Denn das sogenannte magische Dreieck der Vermögensanlage bezeichnet die bei einer Geldanlage untereinander konkurrierenden Ziele Rentabilität, Liquidität und Sicherheit. Die drei Ziele werden durch die jeweiligen Eckpunkte des Dreiecks symbolisiert (siehe Abb. links).


Alleine unser gesunder Menschenverstand legt die Vermutung nahe, dass man bei einer Geldanlage wohl nur schwer alle drei Punkte zufriedenstellend unter einen Hut bekommen kann. Man könnte hier beinahe von der "Quadratur des Kreises" beziehungsweise in unserem Fall der Quadratur des Dreiecks sprechen.


Sicherheit vor Rendite

Und doch genau darin liegt wohl der Schmerzpunkt der deutschen Anleger. Denn in allen Altersgruppen unter den Befragten ist das Thema Sicherheit am höchsten bewertet worden. Im Zweifel würden Anleger sogar auf Rendite verzichten, wenn sie ihr Geld in Sicherheit wüssten.


Dieser innere Antrieb nach Sicherheit führt jedoch dazu, dass wohl immer noch recht wenig Menschen in Deutschland aktienbasierte Anlageprodukte nutzen. Und das nicht etwa, weil das Geld für ein Engagement an den Aktienmärkten fehlen würde.

Denn die Deutschen sind Sparweltmeister. Alleine im letzten Jahr betrug die Summe der Sparguthaben in Deutschland satte 558,1 Mrd. Euro (Quelle: statista.de).

Und auch die Sparquote der deutschen Haushalte liegt so hoch wie selten zuvor. Mit prognostizierten 16% im Jahr 2020 (Quelle: Börse online) liegt die Quote so hoch wie zuletzt zu Zeiten der Deutschen Wiedervereinigung. Dies bedeutet, von 100 Euro, die ein Haushalt zur Verfügung hat, werden (zumindest statistisch gesehen) 16 Euro gespart.

Fazit: Am Geldmangel liegt es nicht. dass nur knapp über 16% der deutschen Sparer auch in Aktien investieren. Bedenkt man jedoch, dass noch viele (meist alte) Lebensversicherungsverträge in deutschen Aktenordnern schlummern, die einen gewissen Aktienanteil innehaben, dürfte die Zahl der aktiv in Aktien investierten (deutschen) Anleger eher dramatisch kleiner als die offiziellen 16% sein.


Auf Kriegsfuß mit Aktien


Worin liegt also der Grund für eine immer noch weit verbreitete Abwehrhaltung deutscher Sparer gegenüber Aktien?

Das DIVA (s.o.) kommt in seinem Index zu dem Schluss, dass es bei knapp der Hälfte der befragten Teilnehmer (47,8%) schlichtweg "an den erforderlichen Kenntnissen über die Funktionsweise aktienbasierter Anlageformen" liegt.


Fehlende Finanzielle Intelligenz umschreibt diesen Misstand wohl ganz gut. Wenn ich nicht verstehe, wie etwas funktioniert, in diesem Fall die Geldanlage in Aktien, Fonds oder ETFs, dann bin ich (als Anleger) geneigt, diese Anlageform zu ignorieren.

Zudem macht uns das Unbekannte Angst, daher fürchten wohl auch viele Anleger den Aktienmarkt, weil sie aus mangelndem Verständnis heraus die Risikolage überschätzen.

Zwar kann es meiner Meinung nach, manchmal sogar sehr hilfreich sein, wenn man kurzfristige (finanzielle) Trends auslässt, weil man sie schlichtweg nicht versteht, doch Aktien sollten aus meiner Sicht nicht zu den verpassten (Anlage-)Gelegenheiten zählen.


Und dass Geld in Aktien oder Fonds anlegen und der Aspekt der Sicherheit sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen, zeigen die Börsenentwicklungen der Vergangenheit. Geht man die Sache konservativ mit einem in die Zukunft gerichteten Horizont an, dürfte kein Weg an Aktien vorbeiführen, weil sie auf lange Sicht hin allgemein als sichere Anlage gelten.


Die Credit Suisse hat in einer an Komplexität bisher wohl unerreichten Studie („Global Investment Returns Yearbook 2018“) Finanzmärkte und Anlageprodukte der letzten 118 Jahre überprüft und festgestellt, dass Aktien wohl das Nonplusultra der Geldanlage sind.

Jeder darf dazu natürlich eine differenzierte Meinung haben, habe ich persönlich auch, denn ich bin in Sachen Aktien im Vergleich zu meinen sonstigen Anlagen eher unterrepräsentiert. Jedoch liegt der Schluss auch ohne die zitierte Studie nah, dass langfristig wohl kein Weg daran vorbeiführt, sich mit Finanzwissen und seinem eigenen Geld eingängig zu beschäftigen.

Und dann wird man wohl unweigerlich den Weg mit Aktien als Anlage kreuzen.


Mein Appell an dich lautet daher: Beschäftige dich mit Geldthemen und baue dir, so gut es dir möglich ist, finanzielle Intelligenz auf.


Denn ich habe das Gefühl, dass die schweren Einschnitte der vergangenen Monate und Jahre immer stärker darauf hindeuten, dass unser Wohlstand zukünftig starken Veränderungen unterliegen wird. Geld muss in Zukunft neu gedacht und vielleicht auch von uns neu gelernt werden.

Dazu gehören meiner Meinung auch digitale (Geld-)Werte und Blockchain basierte Finanztechnologien. Ich bin überzeugt davon, dass wir in ein Jahrzehnt der Gegensätzlichkeiten aufbrechen, zumindest, was die dominierenden Geldanlagen der kommenden zehn Jahre angeht. Aus meiner Sicht stehen die kommenden Jahre unter dem Zeichen der Sachwerte (Immobilien, Aktien, Edelmetalle), aber auch der digitalen Werte wie beispielsweise Bitcoin.


Es bleibt also (fast) alles beim "Alten". Und passend dazu noch ein Zitat von Voltaire.


"Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher."

Ich würde an deiner Stelle, zu denen gehören wollen, die vorher klug sind. ;-)


Herzlichst.