• Holger Malz

Non-Fungible-Tokens: Hype oder Zukunft der Blockchain?

Aktualisiert: März 12


Seit einigen Monaten herrscht im Krypto-Universum eine seit dem ICO-Hype im Jahr 2017 nicht mehr dagewesene Aufbruchstimmung.

Ich meine damit nicht den Hype, den der raketenartige Aufstieg des Bitcoin-Preises zuletzt ausgelöst hat. Ich spreche vom Hype um die sogenannten NFTs.


NFT steht für Non-Fungible-Token und beschreibt einen auf der Blockchain-Technologie basierenden, kryptografischen Token, der im Vergleich zu "normalen" Kryptowährungen wie Bitcoin einmalig ist.

Ein Non-Fungible-Token ist also jeweils ein Unikat und kann auch nicht repliziert oder zerstört werden, dafür sorgt gewissermaßen der in der Blockchain-Technologie integrierte Kopierschutz.

Doch was bedeutet das genau? Wenn jemand einen Bitcoin besitzt, besitzt er einen Coin von (zukünftig) maximal 21 Millionen Stück, die bis ins Jahr 2140 herausgegeben werden. Einzigartig ist der einzelne Bitcoin jedoch nicht. Genau genommen ist ein einzelner Bitcoin sogar austauschbar, da der Wert eines Bitcoins immer identisch ist.


Bei Non-Fungible-Token ist dies anders. Einen Non-Fungible-Token gibt es jeweils nur ein einziges Mal. Und der Besitz weist den Halter gewissermaßen als Eigentümer einer bestimmten Sache aus, nämlich der, wofür der Token eigens erstellt wurde.

Meistens handelt es bei den tokenisierten Gütern um im Vorfeld bereits digitale oder digitalisierte Güter. Dass es jedoch auch anders geht, zeigt das jüngste Beispiel vom Streetart-Künstler BANKSY. Doch dazu gleich mehr.


Non-Fungible-Token finden also überall dort Verwendung, wo das Bestreben ist, ein einmaliges Gut in Form eines Token handelbar zu machen.

Die erste bekannt gewordene NFT-Anwendung waren die sogenannten "CryptoKitties" im Jahr 2017.

Bei den CryptoKitties handelt es sich um ein online Sammel-Spiel, das es seinen Spielern erlaubt, unterschiedliche virtuelle Katzen ("Kitties") zu kaufen, zu verkaufen, zu sammeln und sogar zu züchten. Es basierte damals auf der Ethereum Blockchain. Gekauft und gehandelt wurden die unterschiedlichen Kitties in der Ethereum-eigenen Kryptowährung Ether. Die possierlichen digitalen Kätzchen sind aufgrund ihrer 256 Gene auch nie identisch. Genau das macht ein Non-Fungible Token aus. Jedes "Tier" ist einzigartig und existiert auf der Ethereum Blockchain nur ein einziges Mal. Wenn jemand im Besitz eines NFT-Kitties war, so besaß er dieses Kitty exklusiv.

Das auf dem Bild oben gezeigte CryptoKitty "Dragon" ist bis heute der teuerste Non-Fungible-Token der Welt. Diese besondere "Ausführung" der elektronischen Sammel-Katzen kostete zuletzt etwa 600 Ether, das sind umgerechnet über 900.000 Euro.


Was im Jahr 2017 als eine Art Online-Sammelspiel à la "Pokemon Go" begann, steht wenige Jahre später an der Schwelle zur Umwälzung althergebrachter Abläufe in den unterschiedlichsten Branchen.

Heute gibt es kaum etwas, was nicht bereits in Form von NFTs tokenisiert wurde. Sei es der patentierte Nike Sneaker "Crypto Kicks", wohl ein Versuch des Sportartikelherstellers seine Sneaker via Blockchain-Technologie fälschungssicher zu bekommen oder Spielerkarten vom FC Bayern, die wie (frühe) Panini Alben gesammelt werden können. Einen riesigen Hype haben zuletzt die sogenannten "NBA Top Shots" der US-amerikanischen Basketball-Liga NBA ausgelöst.


Bei NBA Top Shots (mehr Infos unter https://www.nbatopshot.com/) können Basketball-Fans digitalisierte Spielszenen aus NBA-Spielen als NFT kaufen und darauf hoffen, dass die Token, die meist eine kurze Video-Sequenz zeigen, im Wert steigen und ihnen von einem anderen Sammler oder Liebhaber dafür irgendwann mal mehr Geld geboten wird als sie selbst dafür bezahlt haben. Den Ansturm auf die tokenisierten Basketball-Szenen zeigt, dass auf der Website der NBA Top Shots zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Blogartikels alle "Sammelpakete" vergriffen waren.


Non-Fungible Token: Hype oder Zukunft?


Ich bin sicher, sofern du vor dem Lesen meines Blogartikels noch nicht tiefer in das NFT-Thema eingestiegen bist, hört es sich bisher für dich eher wie eine Spielerei junger Computer-Nerds an. Über 900.000 Euro für eine digitale Katze oder verbrannte Kunstwerke. Zugegebenermaßen keine sonderlich seriöse Bewerbung einer zukunftweisenden Technologie.

Doch demonstriert sie auch durch fragwürdige Umsetzungen bisher ihr schier unerschöpfliches Potenzial. Lass mich dir noch anhand von zwei kurzen Beispielen aufzeigen, dass Non-Fungible-Token, meiner Meinung nach, die Zukunft darstellen. Und zwar die Zukunft, wenn es um die Speicherung und Handelbarkeit von digitalen, aber auch von (gewissen) physischen Gütern geht.


Das man den Besitzt eines rein digitalen Guts über einen digitalen Token darstellen kann, klingt schon beinahe logisch. Denn wenn beispielsweise heute jemand über sein Smartphone mit seiner Trading App Aktien kauft, wird sein Besitzstatus auch digital dargestellt. Doch, dass es auch bei ursprünglich physischen Gütern funktioniert, zeigen die zwei folgenden Beispiele aus dem Kunst-Sektor.


Anfang März hat eine Gruppe von "Tech- und Kunst-Enthusiasten" das Bild "Morons" vom Streetart-Künstler BANKSY verbrannt. Bevor sie das Werk jedoch unwiederbringlich "zerstört" haben, haben sie es als Non-Fungible-Token digitalisiert. Die Gruppe, die die Verbrennung recht medienwirksam über ihren Twitter-Account inszeniert hat, bot den Non-Fungible-Token, der den Besitz des BANKSY-Bildes ausweist, auf der Plattform Opensea.io zum Verkauf an. Ein Käufer hat das digitalisierte Kunstwerk wenige Tage darauf für umgerechnet 380.000 US-Dollar erstanden.

Ob man zuvor real existierende Werke zerstören muss, um sie im Anschluss digitalisieren zu können, ist selbstverständlich diskutabel und sicherlich nur eine gewollt medienwirksame Ausnahme. Jedoch eröffnen digitale Sammelobjekte der Blockchain-Technologie ganz neue Wege, auch außerhalb der herkömmlichen Finanzanwendungen. Indem physische Vermögenswerte den Weg in die digitale Welt finden, haben NFTs das Potenzial, ein wichtiger Teil des Blockchain-Ökosystems zu werden.


NFT Hype par excellence: 69.000.000,- US-Dollar für eine Collage

Bleiben wir für ein weiteres Beispiel in der Kunstbranche. Das renommierte britische Auktionshaus Christie´s versteigerte zwischen Februar und März zahlreiche Kunstwerke des Digitalkünstlers Mike Beeple. Damit öffnet sich das Auktionshaus mit 255-jähriger Kunsttradition für die modernen Möglichkeiten der digitalen (tokenisierten) Kunst.

Innerhalb der ersten Woche kamen digitale Kunstwerke im Wert von über 3,5 Millionen Euro unter den Auktionshammer.

Die Krönung der Auktion erfolgte dann zum Abschluss der Auktion. Ein Bild des Künstlers mit dem Namen "Evereydays - The first 5000 days" erzielte dabei einen sagenhaften Verkaufspreis, den wohl niemand für möglich gehalten hätte. Nach hunderten Geboten auf das digitale Kunstwerk wurde es am 11. März für über 69 Millionen US-Dollar (69.000.000,-) an den Höchstbietenden versteigert. Die Collage besteht aus 5000 Einzelbildern, für deren Anfertigung der Künstler insgesamt 13 Jahre benötigte.

"Der Erwerb von Beeples Werk ist eine einzigartige Gelegenheit, einen Eintrag in der Blockchain selbst zu besitzen, der von einem der weltweit führenden digitalen Künstler geschaffen wurde."

Noah Davis, Christie’s Experte für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst


Non-Fungible-Token in ihrer heutigen Form haben, bildlich gesprochen, bereits den Fuß in der Tür zu weitreichenden Anwendungsbeispielen. Und sie bringen wohl eine schier unglaublich große Bandbreite an Möglichkeiten mit, die wir im Jahr 2021 bisher kaum umreißen können.


Ich bin sicher und ich wiederhole es seit nunmehr 2016 immer wieder: Digitale Token eröffnen der Blockchain-Technologie ganz neue Wege außerhalb der herkömmlichen Finanzanwendungen.

Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Entwickler, Visionäre und Vordenker mit neuen und aufregenden Innovationen für diese vielversprechende Technologie aufwarten werden. Die Blockchain-Technologie wird, auch fernab des Bitcoins, unser Leben in vielerlei Hinsicht beeinflussen. Sie wird die Art, wie wir Geld und Güter kaufen, handeln und speichern revolutionieren.

Deshalb glaube ich persönlich keineswegs an einen kurzlebigen Trend, sondern (zumindest dort, wo es sich anbietet) an eine grundlegende Verschiebung vom Realen zum Digitalen.

Jedoch sehe ich auch einen Hype, der vermutlich in einer Art Blasenbildung gipfelt, die (nach dem Platzen) zu einer Konsolidierung des Marktes und der Möglichkeiten führen wird. Es bleibt also spannend.


Ich werde weiterhin beobachten und berichten.

Herzlichst